Sein oder Nichtsein? Ludwigsburg bekommt einen grandiosen »Hamlet«!
Das Rezept für einen unvergesslichen Abend in Ludwigsburg? Man nehme ein sechsköpfiges Ensemble, die Location der Freilichtbühne im Cluss-Garten und Shakespeares längstes Stück: »Hamlet«.
Bilder von »Hamlet«-Inszenierung des Theatersommers Ludwigsburg: Geronimo Schmidt
tragisch, Humorvoll & Leidenschaftlich
Premiere von Shakespeares »Hamlet« beim Theatersommer Ludwigsburg
Als große Theater- und Musical-Liebhaberin habe ich [Celine] in den letzten Jahren einige Stücke von Shakespeare gesehen. Die meisten davon bei der »Shakespeare Company Berlin« im Theater am Insulaner – übrigens eine Herzensempfehlung, wenn man im Sommer zu Besuch in unserer Hauptstadt ist.
Obwohl ich viele Shakespeare-Stücke kenne, habe ich bisher noch nie eine Aufführung von »Hamlet« gesehen. Das war für mich also auch eine große Premiere und die Inszenierung des Theatersommers reiht sich eindeutig in meine Favoriten ein.
Worum geht es in »Hamlet«?
In »Hamlet« trauert der junge Prinz Hamlet um den Tod seines Vaters. Seine Mutter heiratet wenige Wochen nach dem Tod ihres Ehemannes dessen Bruder, Hamlets Onkel Claudius, und macht ihn damit zum neuen König. Hamlet versucht unter anderem mithilfe eines eingefädelten Schauspiels zu beweisen, dass sein Onkel für den Tod seines Vaters verantwortlich ist. Dabei findet er sich bald in einem Kampf wieder, der ihn und alle um ihn herum immer mehr kostet …
»Hamlet« handelt von Rache, von Mord und von Trauer, aber zwischen all dem Drama auch von Liebe.
Was ist das Besondere an dieser »Hamlet«-Inszenierung?
Das Herzstück jeder Inszenierung ist das Ensemble. »Hamlet« beim Ludwigsburger Theatersommer besteht aus den sechs Darstellenden Sebastian Egger, Felix Jeiter, Linda Prinz, Marvin Rehbock, Sophia Reisgies und Undine Schmiedl, die im Laufe des Stückes in verschiedene Rollen schlüpfen und das Publikum für gute drei Stunden in eine andere Welt entführen. Erzählt wird die Geschichte von Hamlets gutem Freund Horatio, gespielt von Sebastian Egger.
Im Zentrum der Stücks steht Linda Prinz in der Rolle des Hamlet. Der Regisseurin und Theatersommer-Intendantin Christine Hofer ging es bei der Besetzung des Hamlet nie darum, mit welchem Geschlecht die Rolle besetzt wird, sondern darum, wer am besten auf die Rolle passt. Noch bevor sie sich Gedanken zur Zusammenstellung des Ensembles gemacht hat, war ihr klar: Linda Prinz passt perfekt auf die Figur des Hamlet. Durch und durch eine grandiose Wahl, wie ich finde! Linda hat die Vielschichtigkeit und Emotionen des jungen Prinzen Hamlet in all seiner Fülle eingefangen und verkörpert eine zeitlose Version dieser besonderen Figur, die Gänsehaut-Momente garantiert.
„Es kann noch alles gut werden.“
Diese Zeile sprechen König und Publikum unisono. Die Inszenierung punktet nämlich auch dadurch, dass das Publikum selbst Teil der Aufführung wird. In verschiedenen Szenen werden die Zuschauenden miteinbezogen, direkt angesprochen und teilweise sogar selbst schauspielerisch aktiv. (Keine Angst, alles passiert natürlich auf freiwilliger Basis!)
Drei Gründe, warum ihr »Hamlet« im Theatersommer 2026 nicht verpassen dürft
1. Die Sprache ist verständlich
Erstmal krass, dass »Hamlet« Shakespeares längstes Stück ist: mit 1000 Seiten! Oft bin ich selbst bei älteren Textvorlagen etwas abgeschreckt, ob man am Ende im Stück auch alles versteht und der Handlung folgen kann. Christine Hofer hat verschiedene Textfassungen von Hamlet kombiniert, um ein bestmögliches Ergebnis zu erlangen, das sowohl die alte Sprache von Shakespeare aufgreift, aber auch Teile in die heutige Zeit überträgt. Dabei arbeitete sie mit der bekannten Schlegel-Tieck-Übersetzung, mit älteren Übersetzungen von Wieland und mit eigenen Übersetzungen, denen sie moderne Einflüsse hinzugefügt hat – und sorgt sogar für ein paar Dialektüberraschungen.
2. Tragödie? Ja, aber …
Auch wenn »Hamlet« zu den größten Tragödien Shakespeares zählt, bringt die Inszenierung viele komödiantische Aspekte ins Stück und lockert die düstere Stimmung ein wenig auf. Zwischen all dem Drama, der Rache und tragischen Ereignissen ergeben sich dadurch immer wieder Momente, die einen zum Schmunzeln und Lachen bringen.
Zwischen B27 und Rathausplatz liegt er versteckt, der Eingang in die grün bewachsene Theatersommer-Welt mitten im Herzen Ludwigsburgs. Bild: R. Crassie
3. Der verwunschene Garten des Theatersommers
Was den tollen Stücken des Theatersommers einen würdigen Rahmen gibt, ist definitiv die grüne Oase des Cluss-Garten. Zwischen Efeu, Rosen und Sträuchern befinden sich die drei Bühnen. Man hat das Gefühl, man taucht für ein paar Stunden in eine andere kleine Welt ein. Vor dem Stück und in der Pause sind wir durch den ganzen Garten gewandelt, haben uns die Bilder bisheriger Produktionen angesehen und uns ein kühles Getränk an der Theaterbar geholt. Sweet to know: Wenn ihr einer schwarzen Katze begegnet – das ist Krümel, die Theatersommer-Katze. Sie lebt im Theatergarten, vielleicht seht ihr sie bei eurem Besuch ja auch.
Der unverwechselbare Charme des Freilichttheaters
Ich persönlich liebe Theater unter freiem Himmel, weil dadurch jede Vorstellung zu einem einzigartigen Erlebnis wird. Bei unserem Besuch hat es sich zum Beispiel ein Schmetterling auf der Schulter einer Schauspielerin bequem gemacht. Als müsste es so sein, haben die Schauspielerinnen improvisiert und ihn spontan in die Szene eingebunden. Auch ein plötzlich aufziehender Sturm, der einige Blätter auf der Bühne umherwirbeln lies – passend zur Stimmung der Szene –, wirkte dadurch am Ende so, als wäre es genauso geplant gewesen. Diese Atmosphäre: einmalig!
Weiter unten, mittig oder oben auf der Tribüne sitzen? Celine hat Tipps für die Sitzplatzwahl im Theatersommer. Bild: T. Marek
Welche Platzwahl im Theater ist die beste?
Beim Theatersommer gibt es freie Platzwahl nach dem Prinzip: first come, first served.
Ich persönlich liebe es, weit vorne zu sitzen, weil man dort die Mimik der Darstellenden am besten sehen und die Vibes hautnah spüren kann. Außerdem fühlt man sich so noch mehr, als wäre man ein Teil des Stückes. Ich empfehle, weiter unten nicht ganz am Rand zu sitzen, weil die Kulisse in manchen Szenen Teile der Bühne verdeckt.
Wenn man lieber den Überblick über das gesamte Geschehen haben will, hat man von den Plätzen in den oberen Reihen die beste Sicht. Extra-Tipp: Schnappt euch ein rotes Sitzkissen am Eingang.
Spieltermin wählen und Ticket buchen
Spielzeiten von »Hamlet« in Ludwigsburg:
täglich (außer montags) bis zum 12. Juli 2026
Theaterkarten: Erwachsene 28 €, Menschen in Ausbildung und Menschen mit Behinderung 14 €, zzgl. VVK-Gebühr
Weitere Theaterstücke 2026: Solltet ihr Hamlet schon gesehen haben, lohnt es sich natürlich auch, die anderen Inszenierungen des Theatersommers anzuschauen. Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr könnt ihr im Juli nochmal »Der Gott des Gemetzels« oder ab Ende Juli »Bella Figura« sehen. Auf der Kinderbühne erwarten euch »Emil und die Detektive« sowie »Pinocchio«.
»HAMLET« von
William Shakespeare
Ensemble & Mitwirkende
Theatersommer Ludwigsburg
Regie
Christine Hofer
Regieassistenz
Sophia Reisgies
Darsteller:innen
Sebastian Egger
Felix Jeiter
Linda Prinz
Marvin Rehbock
Sophia Reisgies
Undine Schmiedl
Bühnenbild
Dirk Seesemann
Bühnenbau
Leonie Thiele
Kostümbild
Paula Gehrlein
Kampfchoreografie
Franzy Deutscher
Tanzchoreografie
Linda Prinz
Musik
Felix Jeiter
Veröffentlichung: 24. Juni 2026
Text: Celine Hahn
Hamlet-Bilder: Geronimo Schmidt